Vier Kurzgeschichten

Außer dem Birnental gibt es noch andere Einzugsgebiete im rosanen Gebirge.
Viele von ihnen haben noch keinen Namen, andere bleiben für immer unentdeckt.
Auf dieser Seite können Sie in vorerst vier meiner Kurzgeschichten rein lesen, 
die von der unberührten Schönheit dieses Hochgebirges inspiriert sind.
Die erste Geschichte spielt im benachbarten Eistütengebirge, welches landschaftlich
sehr viel weniger reizvoll ist, jedoch angenehmere Wohnbedingungen bietet.

Wer die Texte gerne ganz lesen möchte, kann sie entweder per e-mail oder 
telefonisch bei mir bestellen: Birnental@gmail.com, 0177 55 829 72
Ich schicke sie Ihnen dann ausgedruckt mit der Post zu.
Ein Text kostet 7 Euro, inklusive Versand.
Für interessierte Verlage ist die Zusendung kostenlos.



Das rosane Gebirge



Ein Tag im Eistütengebirge, zu Gast bei Xühlie und dem halben Brötchen Lorenz

Erste Leseprobe:

Jetzt war Xühlie Künstler und malte für sein Leben gern. Er war ausgesprochen stolz auf sein
kleines Atelier, das sich weit oben in einem hoch gewachsenen Baum befand, der alle Obstsorten
trug, die Xühlie kannte. Als Erinnerung an seine Jahre auf hoher See hatte Xühlie viele bunte
Modellschiffe an langen, durchsichtigen Schnüren in die zweige des Obstbaumes gehängt.
Jedes Mal, wenn sie im Wind hin und her schaukelten, faltete er seine Händchen und
freute sich herzerwärmt.
Durch das Fenster seines Baumhausateliers konnte Xühlie, je nach Wetterlage, über das gesamte
Eistütengebirge bis hin zu den ersten Schroffen des rosanen Gebirges blicken. Manchmal erkannte
er zu Füßen ihrer senkrecht himmelan jagenden Felswände kleine Gruppen lilaner Dinosaurier,
die entweder grasten, Volleyball oder Karten spielten.
Seltener wurde Xühlie Zeuge, wie eine unwirklich riesige Herde Wollnashörner über den harten
Boden der grenzenlosen Steppe im Norden donnerte. Dann wurde ihm angst und bange und
er hielt sich die Ohren zu.

Zweite Leseprobe:

Lorenz blieb zu Hause und bastelte an seiner Mützenhutkappe weiter, die er heute unbedingt
fertigstellen wollte. Dem halben Brötchen wohnte eine beispiellose Begeisterung für exzentrische
Kopfbedeckungen inne, und es verbrachte viel Zeit damit, Modelle jedweder Form, Farbe und
Größe zu kreieren.
An jedem Sonntagnachmittag, ob die Sonne schien oder ob es hagelte, setzte Lorenz eine seiner
Kopfbedeckungen auf und radelte zu den mit roten und gelben Tulpen übersäten Schneeweiß-
sandwanderdünen, die sich zur Zeit auf der anderen Seite des Flusses nahe einem Birkenwäldchen
aufhielten. Dort angekommen, warf Lorenz sein Fahrrad ins Gras und tobte um sich selber
schleudernd, die schaumspotzenden Wellen des Blütenmeeres auf und nieder. Dabei freute das
halbe Brötchen sich fortwährend seiner frechen Kopfbedeckung...und vor allem seines Lebens.


Liebe dein Haustier wie dich selbst 

Erste Leseprobe: 

An der Hauswand neben der Tür lehnte ein langes, schweres Alphorn. Peter Stine Winifried stand
auf, griff danach und pustete beherzt hinein. Ein tiefer, durchdringender Ton sprengte die Stille
entzwei, prallte gegen die umliegenden Felswände und verhallte.
Mit erwartungsvoll verdrehten Augen legte die Sattelrobbe eine Flosse an ihr Ohr und horchte.
„Komm, Josef Friederike!“, rief sie mit heller, freundlicher Stimme, und kurz darauf war aus der
Ferne ein schwerfälliges Gallopieren zu hören, welches stätig näher und näher kam.
Peter stine Winifrieds Augen begannen zu leuchten, denn in ihrem Herzen ging die Sommersonne
auf. Glücklich warf sie ihre Flossen in den Himmel und tanzte um einen Strauß Gänseblümchen
herum. „Guten Morgenmein Schatz!“, frohlockte die Sattelrobbe strahlend, als ihr geliebtes
Hausdrächelchen mit bummelnder Rückenzacke auf sie zugetrabt kam.
„Seit gestern habe ich dich nicht mehr gesehen. Wo warst du so lange und was hats du gemacht?“,
fiel Peter Stine Winifried ihrem Hausdrächelchen stürmisch um den Hals. Sie drückte es fest und
gab ihm einen Kuss. „Raumforschung“, antwortete das Hausdrächelchen leise und rollte verträumt
mit seinen Kulleraugen. In dem Gummiband seiner Taucherbrille hatte sich ein wenig weisses Moos
verfangen, welches der Sattelrobbe verriet, dass es weiter oben, in den einsamen Hügeln der
Hochebenen, umher gestreift sein musste. Peter Stine Winifried nickte schweigend.

Zweite Leseprobe:

Peter Stine Winifried wollte vor dem Schalfengehen unbedingt noch das Kirschtörtchen verzehren,
welches sie am Nachmittag in ihrem Westchen hatte verschwinden lassen, um es nun als Betthupferl
wieder hervor zu holen. Sie setzte sich auf die weiss gestrichene Gartenbank, die vor dem Haus
neben ein paar vertrockneten Heidebüscheln, unweit des steilen Abhangs stand.
Ihre auf der weiten Wanderung sehr schmutzig gewordenen Füße ruhten im kühlen Sand.
Die Silberdisteln rings umher hatten aufgehört zu funkeln, und weiter unten auf den immergrünen
Wallnusswiesen war es still geworden. Die quirligen Lybellen und Schmetterlinge hatten sich zurück
gezogen, lange bevor die durchsichtigen Elfen in andere Sphären entschwunden waren.
Nur der ruhige, warme Atem der umliegendenhohen Berge sorgte für eine leichte Bewegung
in den Gräsern, den Kräutern und den Zweigen der Bäume.
Das Hausdrächelchen schlief bereits tief und fest, als sich der letzte Abendsonnenstrahl
vom Antlitz des rosanen Gebirges stahl.

Protokoll: Goldlieschen und die Blaumeisen Nachtigall unternehmen eine Nachtwanderung

Erste Lesprobe:

Plötzlich erzitterte die stille, dunkle Nacht vom gegenstandslos widerhallendem Schallen eines
Lachens. Goldlieschen unterbrach ihre schwungvolle Schhrittfolge, drehte sich zu ihrer Freundin um
und fragte verblüfft: „Hast du gerade laut gelacht?“ Die Blaumeisen Nachtigall hockte mit ihrem,
von der fettreichen Milch verklebtem Gefieder am hinteren Rand des  Birnenbaumblattes und
stammelte starr vor Schreck: „Nein, ich war es nicht. Ich glaube, es kam aus der Richtung des
rosanen Gebirges. Wir kommen ihm immer näher.“ Sie warf einen angstvollen Blick auf die steilen
Berghänge die sich geradeaus voraus hoch in die Finsternis hinauf zogen und an dessen oberen
Enden sich unbezwingbare Festungen aus schwarzen Felsenbrocken auftürmten.
Goldlieschen fuhr wie ein wilder Wirbelwind herum und schrie: „Hey, rosanes Gebirge, hast du da
gerade so laut gelacht?“ Die Blaumeisen Nachtigall wollte aufspringen und Goldlieschen den Mund
zu halten, doch ihr mit mehreren Litern Milch gefüllter Magen versagte ihr jede schnellere
Bewegung. „Ja, ich habe gerade laut gelacht, weil die Milchstraße mich kitzelte, als sie zwischen
meinen Zehen hindurch floss“, antwortete das rosane Gebirge mit seltsam schriller Kinderstimme.
„Ach so!“ gab Goldlieschen brüllend zurück, „ach so, ach so, ach so“, hallte das Echo in ihr
zufrieden lächelndes Gesicht.
Hingegen schaute die Blaumeisen Nachtigall sehr ärgerlich, denn sie fand die Antwort des rosanen
Gebirges lächerlich. Vorwurfsvoll krakeelte sie: „So, so! Ich habe mich furchtbar erschrocken!“
Doch darauf reagierte das rosane Gebirge nicht, denn wie die meissten Hochgebirge war es sehr
schweigsam und sprach in 21 Jahren nur einen einzigen Satz.

Zweite Leseprobe:

Ein großer Fisch tauchte auf. Er hatte eine für ein Badetier ungewöhnlich ausgeprägte,
quietschrote Nase, darüber zwei eisblau strahlende Augen und sah um seine geschwollene
Mundpartie herum ein wenig blass aus. Eine kurze Weile schwamm er mit erhobenem Kopf neben
dem Birnenbaumblatt her und warf dabei der Blaumeisen Nachtigall hin und wieder einen scheuen
Blick zu. Endlich sagte er zu ihr: „Ich habe mich so sehr verliebt in das blaue Meer, welches du in
deiner Brust bei dir trägst.“ Die Blaumeisen Nachtigall  schaute hinunter auf ihre dunkelblau
gefiederte Brust und entgegnete verdutzt: „Aha. So, so.“ Der Fisch ließ sich von der Wortkargheit
des Vogels ein wenig irritieren, senkte seinen Blick und lächelte verlegen bevor er erklärte:
„Dieses Meer, ich bin mir ganz sicher, ist unergründlich und birgt zahllose Geheimnisse von denen
niemand etwas weiß. Ich bin noch jung und auf der Suche nach irgendetwas, für das es sich lohnt
auf dieser Welt zu sein. Darum möchte ich dich bitten, mich in dieses Meer hineinspringen und
es erforschen zu lassen.“
Zunächst verspürte die Blaumeisen Nachtigall starke Empörung über die Bitte des Fisches.
Doch dann wehte ein sanfter Ausatem des Windes durch ihr Gemüt und drehte das Fähnchen 
ihres Gefühls. Sie wurde von einer sonderbaren Strömung erfasst, die sie wortlos Liebe nannte, 
und antwortete: „In meiner Brust wohnt meine Seele, die viel tausendmal tiefer ist als alle
15 Weltenmeere. Leicht ist es, sich darin zu verirren, und nie wieder hinaus zu finden. Darum wäre
es viel zu gefährlich kopflosüber hinein zu springen. Außerdem“, fügte die  Blaumeisen Nachtigall
augenzwinkernd hinzu, „möchte ich keine fremden Fische in meiner Seele herum schwimmen
wissen.“ Der Fisch machte ein enttäuschtes Gesicht und sagte einsichtig: „ Nun ja, ich kann dich
gut verstehen. Ich ließe auch keine fremden Vögel durch meine Seele fliegen.“


Freddi Füchslein

Erste Leseprobe:

In der Abenddämmerung heißer Sommertage, trugen die Schwarzrindenmolche ihre Wallnuss-
schalensegelboote zum Ufer des schwarzen Wassers hinunter. Von dort aus segelten sie auf den
abertausenden, und bis weit, weit, weit in entrückte Fernen sich windenden Wasserstraßen
durch die verwunschensten Winkel des Moores.
Scharen junger Fledermäuse waren ihnen dabei freundlicherweise behilflich:
Sie flatterten knapp über der Wasseroberfläche hinter den kleinen Booten her und pusteten 
alle paar Meter kräftig in deren Segel. Hin und wieder machten die Fledermäuse sich einen 
Spaß daraus die Schwarzrindenmolche in Angst und Schrecken zu versetzen: Sie beschleunigten 
die Wallnussschalensegelboote so stark, dass diese selbst in unscharfen Kurven in gewaltige 
Schräglage gerieten. Dann brachen die schadenfrohen Tiere in lautstarkes Gegacker aus, 
und zeigten mit ihren zerzausten Flügeln auf die sich bangend an den Hauptmast ihrer Boote klammernden Schwarzrindenmolche.

Zweite Leseprobe:

Als das Schlauchboot samt seinem Kapitän und einem Passagier an Bord abgelegt hatte und in
Ufernähe unter den herabhängenden Ästen einer Trauerweide hinweg glitt, verschmolz die
hereinbrechende Dunkelheit mit dem tiefen Schwarz des Wassers.
„Wie wundervoll“, nuschelte Freddi Füchslein dem kleinen Borstentier ins Ohr, denn ihm war einen
verzauberten Moment lang, als flögen sie durch einen entlegenen, unentdeckten Weltenraum.
Mit leuchtenden Augen packte Freddi Füchslein diesen verzauberten Moment beim Kragen,
stopfte ihn in das kleine Schatzkästchen seines Herzens und drehte dreimal den Schlüssel rum.





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